Veränderungen in der Prostitution in Mainz

Die Prostitution in der Stadt Mainz hat in den letzten Jahren erhebliche Veränderungen durchlaufen. Mehrere Bordelle wurden geschlossen, und es ist ein Wandel hin zu diskreteren und teilweise illegalen Praktiken zu beobachten.

Bis 2021 war das nahe dem Hauptbahnhof gelegene Bordell Crazy eines der bekanntesten Etablissements. Dessen Schließung markierte einen Wendepunkt, ebenso wie die Schließung weiterer Bordelle wie Poppmodels und Gentlemen’s Dream. Während Poppmodels später unter dem Namen 6Perlen wiedereröffnet wurde, bleiben Gentlemen’s Dream und Crazy dauerhaft geschlossen.

Derzeit gibt es in der Stadt drei offiziell angemeldete Bordelle und ein sogenanntes Terminapartment. Eines der Bordelle, Erotica Voyage in Hechtsheim, ist derzeit ebenfalls geschlossen.

Das Prostituiertenschutzgesetz und COVID

Die Schließung von Crazy stand nicht in direktem Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie. Stattdessen war sie vom Prostituiertenschutzgesetz betroffen, das 2017 in Kraft trat. Obwohl Crazy aufgrund seiner früheren Gründung zunächst von der prostitutionsfreien Zone der Stadt ausgenommen war, führte die Umsetzung des Gesetzes schließlich zum Entzug seiner Betriebserlaubnis.

Seit 1986 ist ein Großteil der Mainzer Innenstadt sowie Teile von Bretzenheim und der Oberstadt als Sperrbezirk ausgewiesen, in dem Prostitution verboten ist. Diese Regelung wurde durch die Gefahrenabwehrverordnung zum Schutz der Jugend und des öffentlichen Anstandes von der ehemaligen Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz eingeführt. Laut Stadt kann der ursprüngliche Grund für die Einrichtung der Sperrzone nicht mehr rekonstruiert werden, jedoch gibt es derzeit keine Pläne, sie zu ändern.

Zwischen dem 15. Februar 2023 und dem 11. Februar 2025 registrierten sich insgesamt 147 Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter in Mainz – 145 Frauen und zwei Männer. Diese Zahl ist in den letzten Jahren stabil geblieben. Die Registrierungsdaten spiegeln jedoch nicht zwangsläufig die Zahl der aktiven Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter in Mainz wider. In anderen Gemeinden registrierte Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter müssen sich in Mainz nicht erneut anmelden, und in Mainz registrierte Personen können auch anderswo in Deutschland arbeiten. Zudem erschweren häufige Ortswechsel eine genaue Datenerhebung zusätzlich.

Während der Pandemie und der anschließenden Schließung der Bordelle verlagerten viele Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter ihre Tätigkeit Berichten zufolge in Wohnungen, was teilweise außerhalb legaler Rahmenbedingungen geschieht. Die Behörden in Mainz beobachteten einen Anstieg von kurzfristigen Anmietungen privater Wohnungen zur Ausübung von Prostitution, häufig über Plattformen wie Airbnb und Booking.com.

Viele Sexarbeiterinnen arbeiten illegal aus Wohnungen

Die in Mainz ansässige Beratungsstelle Selma, die Sexarbeiterinnen unterstützt, berichtet, dass derzeit etwa 55 Frauen ohne festen Arbeitsplatz tätig sind und ihre Dienste in den Wohnungen der Kunden oder in Hotelzimmern anbieten. Laut den städtischen Behörden wird illegale Prostitution in erster Linie durch das Fehlen einer gültigen Anmeldung oder Dokumentation definiert, wie sie durch das Prostituiertenschutzgesetz vorgeschrieben ist. Das Gesetz verpflichtet Sexarbeiterinnen, sich zu registrieren und ihre Bescheinigungen alle zwei Jahre zu erneuern. Die Nichteinhaltung stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Im Jahr 2024 untersuchte die Ordnungsbehörde in Mainz 17 Fälle illegaler Prostitution.

Illegale Prostitution kann Risiken für Sexarbeiterinnen mit sich bringen, darunter fehlender Zugang zu Gesundheitsinformationen und Unterstützungsangeboten, geringere Durchsetzung von Sicherheitsmaßnahmen wie Kondomgebrauch und eine größere Anfälligkeit für Ausbeutung. Polizei und Ordnungsbehörden führen regelmäßig Kontrollen durch, um Fälle illegalen Aufenthalts und möglichen Menschenhandels zu erkennen. Im Jahr 2024 wurden fünf Strafverfahren im Zusammenhang mit Prostitution in Mainz eingeleitet, die meisten wegen illegalen Aufenthalts. Ein Fall wird weiterhin wegen Verdachts auf Menschenhandel untersucht.

Die Beratungsstelle Selma und andere Organisationen haben Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit des Prostituiertenschutzgesetzes geäußert. Obwohl das Gesetz die Registrierung, Gesundheitsberatung, die Verwendung von Kondomen und Notfallmaßnahmen in Bordellen vorschreibt, argumentieren einige Fachleute, dass diese Vorschriften das Stigma erhöhen und Sexarbeit in den Untergrund drängen könnten. Eine wissenschaftliche Evaluation des Gesetzes wird bis zum 1. Juli 2025 erwartet.

Trotz bundesweiter Regelungen, die kommunale Maßnahmen einschränken, hält die Stadt Mainz an ihrer Sperrzone fest. Laut den Behörden führt dies häufig dazu, dass Sexarbeiterinnen alternative, teils verdeckte Wege suchen, um ihrer Arbeit nachzugehen. Die Stadt plant keine Änderungen der aktuellen Zoneneinteilung.