Sexspielzeug wird zunehmend als sicher, intelligent und körperfreundlich vermarktet. Viele Produkte sind mittlerweile mit mobilen Apps, Cloud-Funktionen und personalisierten Einstellungen ausgestattet. Doch eine neue Verbraucheruntersuchung legt nahe, dass einige dieser Geräte versteckte Risiken bergen könnten, mit denen Käufer selten rechnen.
Ein gemeinsamer Test der österreichischen Verbraucherschutzorganisation Verein für Konsumenteninformation (VKI) und der deutschen Stiftung Warentest hat Bedenken geäußert bezüglich Datenschutz und chemischer Sicherheit bei mehreren in Europa verkauften Sexspielzeugen.
Was getestet wurde und warum es wichtig ist
Die Verbraucherorganisationen testeten 18 in Österreich erhältliche Sexspielzeuge, die ein breites Spektrum gängiger Produkttypen und Preisklassen abdeckten.
Die Auswahl umfasste Vibratoren, Dildos, Masturbatoren für Männer und Analplugs mit Preisen zwischen 20 und 209 Euro.
Statt sich nur auf Komfort und Verarbeitung zu konzentrieren, untersuchte der Test zwei weniger sichtbare, aber höchst sensible Bereiche:
- Wie app-gesteuerte Sexspielzeuge Nutzerdaten sammeln und weitergeben
- Ob die verwendeten Materialien bei langfristiger Nutzung Gesundheitsrisiken darstellen könnten
Dieser umfassendere Ansatz spiegelt wider, wie sich Intim-Produkte in den letzten Jahren verändert haben und sowohl technologische Geräte als auch physische Konsumgüter geworden sind.
Eines der auffälligsten Ergebnisse betraf die Datenübertragung von app-verbundenen Sexspielzeugen. Laut Test sendeten drei Produkte nutzungsbezogene Daten an ihre Hersteller.
Zu den übermittelten Informationen gehörten Nutzungsmuster, Gerätekennungen und nutzerbezogene technische Daten. Unter den betroffenen Produkten waren Geräte von Lelo und Svakom, beides bekannte internationale Marken.
Ein besonders kritischer Fall war der Lovense Lush 4 Vibrator. Die zugehörige App leitete Daten an ChatGPT weiter, was bedeutet, dass sensible Informationen über die eigenen Systeme des Herstellers hinaus weitergegeben wurden. Deshalb erhielt das Produkt im Test die Bewertung „nicht zufriedenstellend”.
VKI-Experten warnen, dass sich viele Nutzer nicht bewusst sind, wie viele persönliche Informationen während der Nutzung generiert werden – und wo diese Daten landen könnten.
Chemische Befunde werfen Gesundheitsfragen auf
Die Untersuchung deckte auch chemische Bedenken auf. Zwei Produkte enthielten Nonylphenol, eine Substanz, die im Verdacht steht, in das menschliche Hormonsystem einzugreifen.
Die betroffenen Artikel waren:
- Ein Dildo des Herstellers Pipedream
- Ein Masturbator für Männer von Fleshlight
Obwohl die festgestellten Werte unter den gesetzlichen EU-Grenzwerten lagen, weisen Verbraucherschützer darauf hin, dass Sexspielzeug wiederholt verwendet wird und in direkten Kontakt mit empfindlichen Körperbereichen kommt. Selbst niedrige Konzentrationen könnten bei langfristiger Exposition relevant werden.
Fünf Produkte fielen durch den Test
Von den 18 getesteten Produkten wurden fünf als problematisch eingestuft, entweder aufgrund von Datenschutzproblemen oder chemischen Befunden.
Die übrigen Produkte zeigten keine größeren Verstöße, verdeutlichten aber dennoch Unterschiede in Transparenz und Verbraucherinformation.
Die Ergebnisse legen nahe, dass nicht alle Risiken auf der Verpackung sofort sichtbar sind und dass bekannte Markennamen nicht automatisch höhere Sicherheitsstandards garantieren.
Der VKI empfiehlt einen vorsichtigeren Ansatz beim Kauf von Intim-Produkten, insbesondere bei smarten Geräten.
Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören:
- Sexspielzeug wählen, das ohne verpflichtende Apps funktioniert
- Datenschutzrichtlinien lesen, bevor Begleit-Software installiert wird
- Unnötige Konnektivitätsfunktionen vermeiden
- Auf Materialangaben und Zertifizierungen achten
Laut Verbraucherschützern bieten viele smarte Funktionen zwar Bequemlichkeit, aber im Vergleich zu den potenziellen Datenschutz-Nachteilen wenig echten Nutzen.
Ein wachsender Markt mit wachsender Verantwortung
Der Sexspielzeug-Markt wächst weiter, getrieben durch Technologie und Normalisierung. Da diese Produkte immer fortschrittlicher werden, argumentieren Verbraucherschutzgruppen, dass Datenschutz- und Gesundheitsstandards Schritt halten müssen.
Dieser jüngste Test dient als Erinnerung daran, dass Intimität und Sicherheit Hand in Hand gehen sollten. Für Verbraucher werden informierte Entscheidungen ebenso wichtig wie Komfort oder Design.