Stuttgart plant, Bordelle aus der Innenstadt zu verdrängen

Die Stadtverwaltung Stuttgart treibt Pläne voran, die Bordelle und andere Gewerbebetriebe aus der Innenstadt verbannen könnten, was auf heftigen Widerstand der Betreiber stößt, die argumentieren, dass ihre Geschäfte rechtlich geschützt seien und nicht einfach geschlossen werden könnten.

Der Konflikt dreht sich um das Leonhardsviertel, ein historisches innerstädtisches Viertel, das seit Jahrzehnten als Stuttgarts Hauptgebiet für legale Prostitution dient. Derzeit sind dort rund 15 Bordelle und ähnliche Einrichtungen in Betrieb. Nach einem neuen Bebauungsplan, der Ende 2024 vom Gemeinderat genehmigt wurde, wären solche Betriebe im Viertel künftig nicht mehr zulässig.

Stadt will dem Viertel eine neue Ausrichtung geben

Die Stadtspitze erklärt, das Ziel sei es, das Leonhardsviertel zu einem lebendigen Vergnügungsviertel mit Bars, Cafés, Restaurants und Kultureinrichtungen umzugestalten.

Laut Stadtverwaltung würde die Beseitigung des Rotlichtmilieus das Image des Viertels verbessern und es für Bewohner und Besucher attraktiver machen.

Die zentrale Lage des Viertels spielt in der Debatte eine Schlüsselrolle. Es liegt in unmittelbarer Nähe zum Stuttgarter Rathaus, Landtag, Ministerien und bedeutenden Kultureinrichtungen.

Stadtvertreter argumentieren, dass der derzeitige Rotlicht-Ruf nicht mehr dazu passe, wie sie die Innenstadt entwickeln möchten.

Bordellbetreiber lehnen den Plan ab

Die Bordellbetreiber wehren sich vehement gegen den Vorschlag der Stadt. Mehrere Eigentümer argumentieren, dass ihre Betriebe seit den frühen 1970er Jahren ununterbrochen in Betrieb seien und daher nach deutschem Recht Bestandsschutz genießen. Sie sagen, neue Bebauungsvorschriften könnten nicht auf Betriebe angewendet werden, die bereits lange vor den Änderungen existiert hätten.

Ein prominenter Betreiber erklärte, die Stadt könne bestehende Bordelle nur durch Ankauf zu Marktpreisen entfernen. Ein solcher Schritt könnte Stuttgart zig Millionen Euro kosten – eine Zahl, die Stadtvertreter öffentlich weder bestritten noch als realistisch bezeichnet haben.

Die Position der Stadt wird durch ihr eigenes früheres Handeln erschwert. Über viele Jahre hinweg duldete Stuttgart den Betrieb bestimmter Bordelle, obwohl deren rechtlicher Status nie vollständig geklärt wurde. Langjährige Rechtsstreitigkeiten wurden ohne endgültiges Urteil pausiert, sodass die Betriebe weitermachen konnten.

Kritiker sagen, diese Geschichte der Untätigkeit schwäche die aktuelle Argumentation der Stadt und könnte ernsthafte Probleme schaffen, falls die Angelegenheit vor Gericht lande.

Warnungen von Polizei und Sozialarbeitern

Nicht alle Experten unterstützen die Schließung des Rotlichtviertels. Polizisten und Sozialarbeiter haben gewarnt, dass Prostitution nicht verschwinden werde, wenn Bordelle geschlossen werden. Stattdessen befürchten sie, dass sie in Privatwohnungen oder illegale Orte abwandert, was die Kontrolle erschwert und potenziell gefährlicher für Sexarbeiterinnen wird.

Aus ihrer Sicht ermöglicht ein zentraler und regulierter Bereich den Behörden eine bessere Überwachung, verbesserte Sicherheit und effektivere Reaktion auf Probleme.

Stadtvertreter haben auch auf Lärmbeschwerden und nächtliche Ruhestörungen als Teil ihrer Begründung verwiesen. Einige Lokalpolitiker sagen, Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Rotlichtviertel verursachten Probleme für Anwohner und Geschäfte in der Nähe.

Bordellbetreiber weisen diese Vorwürfe zurück und argumentieren, dass andere Nachtleben-Einrichtungen wie Bars und Clubs ähnliche oder sogar höhere Lärmbelastungen verursachen. Die Debatte entwickelt sich zunehmend zur Frage, welche Art von Nachtleben die Stadt künftig unterstützen möchte.

Gerichte werden voraussichtlich über das Ergebnis entscheiden

Da keine Seite nachgeben will, bleibt die Zukunft des Leonhardsviertels ungewiss. Sollte keine Kompromisslösung gefunden werden, werden wahrscheinlich Gerichte darüber entscheiden, ob Stuttgart seine Umbaupläne durchsetzen kann oder ob das Rotlichtviertel Teil der Innenstadt bleiben wird.